Gönderen: camimiz.com ditib.net DİTİB Recklinghausen | 04/11/2010

Das Wohltun (ihsan) Freitagspredigt

Freitagspredigt
05.11.2010

 

Das Wohltun (ihsan)
بِسْمِ اللهِ الْرَحْمنِ الْرَحِيِم
إِنَّ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُواالصَّالِحَاتِ إِنَّا لا نُضِيعُ أَجْرَ مَنْ أَحْسَنَ عَمَلاً
Bismillahirrahmanirrahim
[Im Namen Allahs, des Erbarmers des Barmherzigen]
“Und was diejenigen angeht, die glauben und das Gute verrichten. Wahrlich wir vergeuden den Lohn derjenigen nicht, die wohl vorgehen in ihrer Handlung.”
[Sure “Kehf”, Vers 30]
Verehrte Muslime,
Allah, der Erhabene erschuf den Menschen in Vollkommenheit und gebot ihm: “ … das was ihr macht, macht gut. Denn Allah liebt diejenigen, die Gutes tun.” [1] Dieses “gut machen” irgendeiner Arbeit bezeichnen wir im Islam mit “ihsan”. So antwortete unser Prophet Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Heil (A.s.s.H.) dereinst auf die Frage, was er denn mit “ihsan” meine: “So zu handeln und Allah zu dienen, als würdest du Ihn sehen. Denn auch wenn du Ihn nicht siehst, so sieht Er doch dich.” [2]  “Ihsan” bedeutet also, all unsere Handlungen im Bewusstsein zu verrichten, dass Er uns dabei sieht und dass diese unsere Handlungen und Taten Ihm dereinst vorgelegt werden.
Der Islam stuft alle nützlichen Taten und Handlungen, die wir verrichten, als Gottesdienst ein. Er gebietet uns daher alles, was wir machen, auch ernst zu nehmen und gut zu machen.
”Allah gebietet Wohltun (ihsan) in allen Bereichen …” [3] ließ uns unser Prophet wissen, womit er uns dazu anhielt, alles was wir machen auch pflicht- und ordnungsgemäß zu erfüllen. So heißt es in einem weiteren Hadis unseres Propheten: “Allah gefällt es, wenn ihr eure Arbeit ordentlich und gut macht.” [4]
Verehrte Gläubige,
ihre Arbeit pflicht- und ordnungsgemäß erfüllen nur Menschen, die sich auch mit ihrer Arbeit identifizieren und das nötige Pflichtbewusstsein hierfür haben. Der Islam gebietet uns, alles was wir tun perfekt zu tun. Ihm missfällt es, wenn wir unsere Arbeit unbedacht und lustlos verrichteten oder  sinn- und zwecklose Sachen machen. Er gebietet uns vielmehr Standfestigkeit im Glauben, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit im Handel aber auch in unseren sonstigen Handlungen und Feinfühligkeit in der Kunst.  Der Islam fordert uns also dazu auf, in allem was wir tun auf Qualität und Aufrichtigkeit zu achten.
Damit das, was wir tun auch gut wird, muss aus islamischer Sicht zunächst einmal die Absicht, die hinter dieser Handlung steckt, eine gute sein. Und derjenige, der diese Handlung unternimmt muss bestrebt sein, “seine Arbeit gut zu machen”. Dieses Bestreben ist es dann, das der Handlung des Menschen Erfolg verleiht, ihn dazu anhält, sich ständig zu erneuern und zu einem insgesamt konstruktiven Menschen macht. Ein gläubiger Mensch, der mit sich und seinem Gewissen im reinen ist, bzw. sein will, kann daher in seiner Arbeit und in seinem Handeln nicht darauf aus sein, einfach nur seine “Arbeitsstunden voll zu kriegen”, oder seine Arbeit einfach nur “irgendwie zu erledigen”.  Denn er weiß, dass Gewinn und Erwerb aus Arbeit, die mit dieser Geisteshaltung verrichtet wird, aus religionsrechtlicher Sicht nicht “erlaubt”, nicht helal, ist. Das, was den Muslim in seinem Arbeitsleben und in seinem sonstigen Handeln am meisten auszeichnet, ist eben der Umstand, dass er seine Arbeit gewissenhaft und gut macht, sie also ordnungs- und pflichtgemäß ausführt. Ein gläubiger Mensch sollte daher als Individium, Familienmitglied, aber auch Mensch in Gesellschaft mit seiner Arbeitsweise und Handlung mit gutem Beispiel vorangehen und eine Atmosphäre des Vertrauens und der Harmonie schaffen. Ein jeder sollte daher bestrebt sein, seine Arbeit wohl zu tun, im Sinne des ihsan, des Wohltuns, zu dem uns der Islam auffordert: der Wissenschaftler sollte dies ebenso befolgen in seiner wissenschaftlichen Arbeit, wie es Händler und Unternehmer tun sollten, wenn sie wirtschaften, oder aber auch ein Arbeiter sowie Angestellte im öffentlichen Dienst.
Diese Ethik, die der Islam  für unsere Arbeitswelt aufstellt, fordert er uns aber auch ab, wenn wir eine Arbeit an andere vergeben. So sagte unser Prophet in einem Hadis: “Vergebt ihr eine Arbeit an jemanden, der nichts davon versteht, so wartet den Weltuntergang ab.” [5] Eine jede Arbeit gehört nach ihm also an diejenigen vergeben, die auch qualifiziert hierfür sind; ansonsten ist Chaos vorprogrammiert.
Verehrte Gläubige,
um eine Arbeit gut machen zu können, muss man diese zunächst einmal ernst nehmen und sich dafür einsetzen können. Dazu gehört auch, dass wir um das Ideal und die Ethik wissen, die der Islam in und für unsere Arbeitswelt aufgestellt hat und diese auch anwenden in allen unseren Handlungsbereichen. Wir sollten nicht vergessen, dass ein Mensch, wenn er seine Sache gut macht, auch seinem Leben einen guten Verlauf verleiht.
Meine Predigt möchte ich an dieser Stelle beenden mit der ungefähren Bedeutung eines Koranverses: “Und was diejenigen angeht, die glauben und das Gute verrichten. Wahrlich wir vergeuden den Lohn derjenigen nicht, die wohl vorgehen in ihrer Handlung.” [6]
[1] Bakara, 2/195.
[2] Buhari, İman, 37. I, 18
[3] Muslim, Sayd, 57
[4] Beyhaki, Şu’abu’l-Iman, 4/334
[5] Buhari, İlim, 2
[6] Kehf,18/30
Ömer GENÇ
Religionsbeauftragter der DITIB-Moschee in Roth

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