Gönderen: camimiz.com ditib.net DİTİB Recklinghausen | 17/12/2010

Große Sünden und wie wir sie vermeiden

17.12.2010
Freitagspredigt

Große Sünden und wie wir sie vermeiden

بِسْمِ اللهِ الْرَحْمنِ الْرَحِيِم
كَلاَّ بَلْ رَانَ عَلَى قُلُوبِهِمْ مَا كَانُوا يَكْسِبُونَ

Bismillahirrahmanirrahim
[Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen]
“Nicht doch! Vielmehr sind eure Herzen verdunkelt wegen dessen was ihr zusammenklaubt (an Übel).”

[Sure “Mutaffifin”,
Vers 14]

Verehrte Gläubige,

Allah, der Erhabene hat den Menschen weder umsonst erschaffen, noch hat Er ihn auf sich selbst gestellt. Er hat ihm vielmehr den Gottesdienst als Pflicht auferlegt und ihn somit einer Prüfung unterlegt. So ist es die Pflicht eines Muslims, Seinen Geboten zu folgen und fern zu bleiben von dem, was Er verboten hat. Wer die Befolgung dieser Ge- und Verbote unterlässt oder sie vernachlässigt, begeht eine Sünde. Und wer eine Sünde begeht, lehnt sich damit gegen unseren Herrn auf, bei dem alle Macht und alle Erhabenheit liegt. Er baut sich damit eine Mauer gegen die unendliche Barmherzigkeit und das ebenso unendliche Wohlwollen Allahs. Sünden beeinflussen nicht nur die natürliche und reine Beschaffenheit der Menschen, sie verleihen ihren Herzen auch eine Unruhe und öffnen ihnen den Weg zu weiterem Übel. Und wer auf seinen Sünden besteht, den führen diese ins Unheil. So heißt es hierzu im Koran: “Nicht doch! Vielmehr sind eure Herzen verdunkelt wegen dessen was ihr zusammenklaubt (an Übel).” [1]

Was dieses Verdunkeln des Herzens bedeutet, erläuterte uns dereinst unser Prophet. Begeht der Diener Gottes eine Sünde, so entsteht in seinem Herzen ein schwarzer Punkt. Bereut er seine Sünde und bittet dafür um Vergebung, verschwindet dieser schwarze Punkt wieder, sein Herz wird wieder lupenrein. Tut er dies aber nicht und begeht noch weiter Sünden, so wächst dieser schwarze Punkt und nimmt das ganze Herz ein. Eben dies ist gemeint, wenn der Koran von “Verdunkeln des Herzens” spricht. [2]

Verehrte Brüder und Schwestern,

der Islam unterteilt Sünden in unterschiedliche Kategorien: danach, ob sie mit oder ohne Reue vergeben werden, und danach, wer bzw. wessen Rechte mit dieser Sünde übergangen wurden. Ihrer Schwere nach werden Sünden in solche kleiner und großer Art unterteilt. Diese Unterteilung gibt der Koran zwar vor. Worin diese kleinen und großen Sünden jedoch bestehen, darüber gibt er uns nur begrenzt Auskunft. [3]

Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass die größte der Sünden darin besteht, Allah einen Teilhaber beizugesellen. Damit würden wir uns sowohl am Recht Allahs vergehen als auch mit der Würde des Menschen spotten. Abgesehen davon gehört auch das Übergehen der Ge- und Verbote Allahs zu den großen Sünden. Aus den Hadisen unseres Propheten Muhammed (s.a.v.) erfahren wir dann genauer, was zu den großen Sünden gehört: Allah einen Teilhaber beizugesellen, Zauberei und Magie, einen unschuldigen Menschen umzubringen, das Vermögen und das Eigentum von Waisen zu unterschlagen, Wucherzins anzunehmen, unbescholtene ehrenhafte Frauen der Unzucht zu bezichtigen, sich gegen die Eltern aufzulehnen, zu lügen, eine falsche Zeugenaussage zu machen, eine außerehelische geschlechtliche Beziehung einzugehen, das Vermögen eines anderen oder öffentliche Sach- und Geldmittel zu unterschlagen, Alkohol, Gewinn- und Glücksspiele. [4] Vor diesen Sünden sollten wir uns peinlichst hüten. Denn, Allah, der Erhabene, ließ uns im Koran wissen, dass wir allen möglichen Sünden aus dem Weg gehen sollen:: “Lasst ab von den offenkundigen und den geheimen Sünden. Denn wer Sünden begeht, wird für diese sicherlich bestraft.” [5] Und Er ermahnte uns: “Lasst ihr ab von den großen Sünden, von denen fern zu bleiben euch geboten wurde, sehen Wir ab von euren kleinen Sünden und weisen euch einen schönen Platz.” [6]

Sünden begehen wir, wenn wir auf unsere Triebe hören oder den unterschiedlichsten Eingebungen des Teufels nachgeben. Dass die Teufel aber nicht wirklich Macht über die Gläubigen haben, das erfahren wir aus dem Koran wiefolgt: “Er hat wahrlich keine Gewalt über diejenigen, die glauben und die ihrem Herrn vertrauen. Seine Gewalt erstreckt sich vielmehr über diejenigen, die ihn sich zum Freund nehmen und ihn ihrem Herrn als Teilhaber beigesellen.” [7]

Verehrte Gemeinde,

um uns von den Sünden fern zu halten, sollten wir alle an den Tod und den Tag des Jüngsten Gerichts denken. Geduldig sollten wir sein und Sünden aus dem Weg gehen, unsere Gottesdienste bei Zeiten verrichten, den Koran lesen und ihn vor allen Dingen auch leben. Insbesondere sollten wir hier auf die Säule der Religion, auf das Pflichtgebet Acht geben und dieses verrichten, wobei wir uns in Bittgebeten an Allah wenden und bei ihm Zuflucht suchen. Dazu gehört auch, dass wir keine Orte aufsuchen, die uns zu Sünden verleiten und diese gegebenenfalls verlassen. Um später vor unserem erhabenen Herrn nicht in Verlegenheit zu kommen, sollten wir immer daran denken, dass Er uns sieht und über alle unsere Taten und Handlungen Bescheid weiß. Eventuelle Sünden sollten wir auf der Stelle bereuen und uns in die unendliche Barmherzigkeit und Vergebung Allahs flüchten. Wir dürfen nicht vergessen, dass Allah Seine aufrichtig bereuenden Diener liebt und ihnen vergibt.

[1] Mutaffifin 83/14.
[2] Ibn Madsche, Zuhd, 29.
[3] Nisa 4/31; Kehf 18/49; Schura 42/37; Nadschm 53/32.
[4] Buhari, Hudud, 44; Muslim, Iman, 144; Buhari, Schahada, 10; Ebu Davud, Vesaye, 10.
[5] Enam 6/120.
[6] Nisa 4/31.
[7] Nahl 16/99-100.

Nurullah Koçhan
Relıgionsbeauftragter der DITIB-Moschee in Aalen


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